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Agentur für Erneuerbare Energien (opm) - Ölpreis und Energiewende im Wechselspiel

Agentur für Erneuerbare Energien veröffentlicht Metaanalyse zur Preisentwicklung fossiler Brennstoffe

Die Internationale Energieagentur rechnet für das Jahr 2020 mit einem Ölpreis von rund 80 US-Dollar pro Barrel. Das geht aus dem heute in Berlin vorgestellten World Energy Outlook 2015 hervor. Welche Annahmen andere wissenschaftliche Szenarien zur langfristigen Entwicklung des Ölpreises treffen, beschreibt eine heute veröffentlichte Metaanalyse der Agentur für Erneuerbare Energien. Die 15-seitige Publikation vergleicht 15 aktuelle Energieszenarien in Bezug auf die unterstellten Erdöl-, Steinkohle- und Erdgaspreise bis zum Jahr 2050. Die Analyse zeigt, dass Angebot und Nachfrage nach fossilen Brennstoffen und damit auch ihr Preis von einer Vielzahl von Einflussfaktoren wie Klimaschutzpolitik, Ausbau Erneuerbarer Energien und Wirtschaftswachstum abhängig sind.

Die meisten in der Metaanalyse untersuchten Studien treffen Annahmen zur Entwicklung der Preise für fossile Brennstoffe, um auf dieser Grundlage zum Beispiel die Höhe des Energieverbrauchs oder die Rentabilität der Erneuerbaren Energien zu modellieren. Einzelne internationale Studien beschäftigen sich hingegen stärker mit den Einflussfaktoren auf die Brennstoffpreisentwicklung. Hohe Öl-, Gas- und Kohlepreise werden von Wissenschaftlern vor allem dann erwartet, wenn die globale Nachfrage nach diesen Energieträgern weiter steigt. Das würde jedoch bedeuten, dass der Umstieg auf klimafreundliche Energietechnologien nicht gelingt.

„Angesichts der in jüngster Zeit deutlich gesunkenen Preise für Öl, Gas und Steinkohle müssen Wechselwirkungen zwischen einer erfolgreichen Klimaschutzpolitik und den Energiepreisen stärker in den Fokus der Energiewendedebatte rücken“, betont Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. Denn die Metaanalyse zeigt: Auch wenn die meisten Studien von einem weiteren Anstieg der Preise für fossile Brennstoffe ausgehen, deuten einzelne Szenarien darauf hin, dass die verstärkte Nutzung Erneuerbarer Energien und eine erhöhte Energieeffizienz auch längerfristig dazu führten könnten, dass die Brennstoffpreise wegen geringerer Nachfrage niedriger ausfallen. Würden dann jedoch allein die Brennstoffpreise als Maßstab für die Rentabilität von Klimaschutzmaßnahmen herangezogen, ohne die Klimafolge- und Umweltkosten zu berücksichtigen, erschienen Klimaschutzmaßnahmen weniger wirtschaftlich. „Hier muss die Politik aufpassen, dass niedrige Preise für fossile Brennstoffe nicht als Rechtfertigung für ein Hinauszögern der Energiewende genutzt werden“, warnt Vohrer.

Szenarienvergleich zur Entwicklung des Rohöl- Erdgas- und Steinkohlepreises

Der Szenarienvergleich zur Entwicklung der fossilen Brennstoffpreise bis 2050 zeigt, dass sich der niedrigste Wert für den Preis von Steinkohle, Öl und Gas jeweils im Szenario „2DS“ der Studie „Energy Technology Perspectives“ der Internationalen Energieagentur (IEA) aus dem Jahr 2015 findet. Im Gegensatz dazu bewegt sich das Szenario „6DS“ im Mittelfeld der analysierten Werte. Andere Studien und Szenarien nehmen wesentlich höhere Preissteigerungen als realistisch an. Das insgesamt sehr niedrige Preisniveau in den jüngst veröffentlichten internationalen Projektionen (DECC 2014, IEA 2015, EIA 2015) spiegelt dabei vor allem den Preisverfall seit 2014 wider.

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden IEA-Szenarien liegt in der unterstellten Klimaschutzpolitik. So stellt das Szenario „6DS“ im Wesentlichen eine Fortschreibung der aktuellen Trendentwicklung dar. Als Folge nehmen die Experten einen erheblichen Anstieg des Primärenergieverbrauchs bei intensiver Nutzung fossiler Brennstoffe und entsprechend höheren Preisen an. Die Entwicklung wäre jedoch auch verbunden mit einem globalen Temperaturanstieg um 5,5 Grad Celsius bis 2050 gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Das „2DS“-Szenario beschreibt hingegen eine sehr ambitionierte Klimaschutz- und Energiepolitik, die konsequent darauf hinarbeitet, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen. Damit würde ein Umbau des Energiesystems einhergehen, der zu einer drastischen Verringerung der Nachfrage nach fossilen Brennstoffen und entsprechend niedrigen Preisen führen würde.

Ziel der Metaanalyse ist es, die sehr unterschiedlichen Aussagen zu den Kosten der Energiewende besser nachvollziehbar zu machen und Nutzern eine Bewertung der Studien zu erleichtern.

Die Metaanalyse zum Download: forschungsradar.de/metaanalysen/