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Pressemitteilung NEMOS - Initiator Jan Peckolt - Zukunftspreis 2011 für Strom aus Meereswellen

Olympia-Medaillengewinner entwickelt innovatives Energiekonzept

Der deutsche Atomausstieg ist beschlossen, doch der Energiebedarf bleibt hoch. Wind- und Solarenergie gehört die Zukunft, aber wird das ausreichen? Strom könnte auch aus Meereswellen gewonnen werden, und zwar kostengünstig. Dafür sieht Dipl.-Ing. oec. Jan Peckolt (30), Olympia-Medaillengewinner 2008 im Segeln, realistische Chancen. Mehr noch: Nach Abschluss seiner Sportkarriere entwickelte der Wirtschaftsingenieur dazu in seiner Diplomarbeit ein innovatives System, das Forschung und Industrie hellhörig macht. Es eignet sich speziell für die Kopplung mit Offshore-Windparks. Am Dienstag (11. Oktober) erhielt er dafür in Essen den RWE-Zukunftspreis 2011. Den Startschuss für die Weiterentwicklung des Systems unter dem Projektnamen NEMOS (Nutzung des Energiepotenzials von Meereswellen in Offshore-Windparks zur Stromerzeugung) hat der Initiator schon gegeben www.nemos.org.

Von 75 Studienabschlussarbeiten hatte die Jury unter Vorsitz von Ingo Alphéus, Leiter der RWE Effizienz GmbH, die fünf besten fürs Finale auserkoren, deren Einsender in der Essener Philharmonie die mit Spannung erwartete Preisverleihung miterlebten. Das System zur energetischen Nutzung von Meereswellen überzeugte als durchdachtes, schlüssiges Konzept, das einfach, aber wirksam und nah an einer Umsetzung sei, hieß es in der Laudatio des Juryvorsitzenden. Vom RWE-Personalleiter Hans-Dieter Rüter erhielt Peckolt in Anwesenheit von Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft die Auszeichnung als erster Sieger. Der Preis wurde mit 12.000 Euro dotiert. "Für das NEMOS-Projekt ist es sowohl eine großartige Bestätigung als auch ein weiterer Ansporn, das Projekt mit Schwung voran zu treiben", so der stolze Gewinner.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind enorm. "In diesem Jahrzehnt werden allein in Europa bis zu 7000 Offshore-Windkraftanlagen installiert. Auf den dafür vorgesehenen Wasserflächen existiert ein erhebliches Energiepotenzial durch Meereswellen." sagt Prof. Bettar O. el Moctar, geschäftsführender Direktor am Institut für Schiffstechnik, Meerestechnik und Transportsysteme der Universität Duisburg-Essen. Ingenieur Jan Peckolt, der mit diesen Elementen bestens vertraut ist, will beide Energieformen koppeln: "Setzt der Wind aus, so laufen die Wellen noch lange nach. Bei einer kombinierten Nutzung käme es zu einem gleichmäßigeren Gesamtenergieertrag." Die Schwankungen könnten laut einer an einem amerikanischen Standort durchgeführten Studie um etwa 20 % reduziert werden. Gemeinsam genutzte Seekabel wären besser ausgelastet, wodurch Kosten gespart würden.

Nach dem erfolgreichen Olympia-Projekt erforschte Peckolt zum Ende seines Studiums an der TU Hamburg-Harburg am Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST) in Duisburg die Physik von Wellenkraftwerken. Er entwickelte Methoden, mit denen der Wirkungsgrad gegenüber heutigen Anlagen erheblich gesteigert werden kann. Basierend auf den Forschungsergebnissen konzipierte er ein Gesamtsystem, mit dem seine Erkenntnisse möglichst kostengünstig umgesetzt werden können.

Die NEMOS-Anlage besteht aus einem länglichen Auftriebskörper, der mit drei Seilen zum Meeresgrund verspannt ist. Er wird durch Wellen zur Bewegung angeregt und überträgt mechanische Energie per Seil an einen Generator, der geschützt vor Seewasser am Turm einer Windkraftanlage positioniert ist. Neu an Peckolts Entwicklung sind vor allem die Bewegungsbahn des Schwimmkörpers (verschiedene Kreisbögen) und die Steuerungsstrategie, wodurch bis zu 80 % der einkommenden Wellenenergie zum Antrieb elektrischer Generatoren genutzt werden können. Herkömmliche Systeme mit einer reinen Vertikalbewegung liegen deutlich unter 50 %. Bei einer Veränderung der Wellenrichtung werden die Ausrichtung des Körpers und seine Bewegungsbahn durch ein von Peckolt zum Patent angemeldetes System angepasst. Zum Schutz vor allzu rauem Seegang bei extremen Stürmen kann das System vorübergehend auf eine ruhigere Wassertiefe abgesenkt werden. Je Windkraftanlage können fünf Schwimmkörper angebracht werden, die eine elektrische Energie für umgerechnet etwa 1000 Haushalte liefern.

"Natürlich ist es eine große Herausforderung, Wellenenergie wirtschaftlich nutzbar zu machen. Daran sind schon zahlreiche Projekte gescheitert", sagt Dipl.-Ing. Benjamin Friedhoff, DST-Experte für Strömungs- und Wellenkraftwerke, "doch erste Wirtschaftlichkeitsberechnungen zeigen für das System ein beachtliches Potential auf." NEMOS-Initiator Peckolt, der mit seinem Entwicklungsplan einen EU-geförderten Wettbewerb der Gründungsinitiative Duisburg gewonnen hat: "Aus inzwischen mehr als 500 Versuchen im Wellentank und Tests im natürlichen Seegang haben wir sehr vielversprechende Resultate, doch die Technologie befindet sich in einem frühen Entwicklungsstadium. Verschiedene technische Risiken sind noch zu überprüfen."

Peckolt hatte bereits sein Segelprojekt systematisch organisiert und dabei nichts dem Zufall überlassen. Gemeinsam mit seinem Bruder Hannes Peckolt (28), der inzwischen in Kiel an seiner Promotion in Medizin arbeitet, führte er die Kampagne wie ein Unternehmen mit einem großen Stab an Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen. Die beiden Brüder bereiteten sich in enger Kooperation mit dem US-amerikanischen Olympiateam vor und führten bereits ein Jahr vor den Olympischen Spielen die Weltrangliste an. Mit "Bronze", der einzigen deutschen Segelmedaille in China, beendeten sie diesen Lebensabschnitt und konzentrieren sich seitdem auf ihre berufliche Laufbahn - nicht minder erfolgreich.

An Peckolts NEMOS-Projekt haben bereits verschiedene Wirtschaftsunternehmen Interesse bekundet, darunter ein großer Technologiekonzern aus dem Dax und ein Energieversorger. Geplant ist die kontinuierliche Weiterentwicklung mit dem DST, der Universität Duisburg-Essen und Partnern aus der Industrie. Unabhängig davon sind für eine zeitnahe Umsetzung Investitionen notwendig. Jan Peckolt: "Ziel ist der Aufbau einer Pilotanlage 2013/2014 in der Nordsee." Ein raues, aber für ihn keineswegs ungewöhnliches Revier.

Ihre Kontakte:
Andreas Kling
PR Consultant
+49 (172) 257-8817
media@nemos.org

Dipl.-Ing. Oec. Jan Peckolt
NEMOS- Initiatior
+49 (179) 125-6405
info@nemos.org


Quelle: 12 Oktober 2011, www.nemos.org

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