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Agentur für Erneuerbare Energien e.V. (opm) - Erneuerbare Energien kompensieren Abschaltung von AKW Grafenrheinfeld

Umstieg auf Erneuerbare vermindert unkalkulierbare Risiken und versteckte Folgekosten

An diesem Wochenende soll nach dem Atomausstiegsbeschluss von 2011 das unterfränkische Atomkraftwerk Grafenrheinfeld vom Netz gehen. „Der deutsche Atomausstieg bis 2022 wird durch das verlässliche Wachstum Erneuerbarer Energien und eine verbesserte Energieeffizienz ermöglicht. Wind, Sonne und Bioenergie setzen sich im deutschen Energiemix zunehmend durch und vermindern so unkalkulierbare Risiken der atomaren Energieerzeugung und versteckte Folgekosten “, betont Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).

Die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien 2014 hat im Vergleich zu 2010 um rund 50 Prozent auf mehr als 160 Milliarden Kilowattstunden zugelegt. Dies konnte den Rückgang bei der Kernkraft um über 30 Prozent auf knapp 97 Milliarden Kilowattstunden mehr als ausgleichen. Weitere Abschaltungen wie die von Grafenrheinfeld werden also von den Erneuerbaren Energien abgefedert. Der Blick auf die Zahlen der einzelnen Bundesländer zeigt allerdings: Bundesländer mit Atomkraftkapazitäten können den Ausstieg größtenteils nicht allein ausgleichen, sondern sind auf Ökostrom-Importe aus anderen Bundesländern angewiesen. Möglich ist das durch den Transport von Strom über das deutsche Stromnetz. Wie groß der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung pro Bundesland 2013 war, zeigt eine neue AEE-Grafik aus dem Projekt Föderal Erneuerbar.

Erneuerbare-Energien-Anlagen in 16 Bundesländern gleichen schwindenden Anteil des Atomstroms aus

In Baden-Württemberg zum Beispiel wurde die Atomstrommenge am stärksten reduziert. Betrug sie 2010 noch fast 32.000 Gigawattstunden, waren es 2013 rund 20.000 Gigawattstunden. Allerdings hat der Ausbau von Erneuerbare-Energien-Stromanlagen in Baden-Württemberg weniger Fahrt aufgenommen als zum Beispiel in den neuen Bundesländern. Erneuerbare Energien trugen 2013 in diesem südlichen Bundesland rund 14.600 Gigawattstunden zur Stromproduktion bei, so dass der hier erzeugte Ökostrom nur einen Teil der Stromproduktion der abgeschalteten Atommeiler ersetzt. Der restliche Teil wird durch Strom aus anderen Bundesländern kompensiert.

Bayern hingegen hat bei der Erzeugung von Ökostrom in den vergangenen Jahren einen großen Sprung nach vorne gemacht (Strom aus Erneuerbaren in Bayern 2013: 31.634 Gigawattstunden) und kann die bislang reduzierten Atomstrommengen dadurch kompensieren. Im Freistaat ist der Atomstromanteil allerdings bisher auch am wenigsten zurückgefahren worden. Das Kraftwerk Grafenrheinfeld (Stromproduktion 2014: 6.928 Gigawattstunden) ist erst das zweite, das in Bayern abgeschaltet wird. Atomkraft aus den Reaktoren Isar2 und Gundremmingen macht immer noch fast die Hälfte der gesamten bayerischen Erzeugung aus (Atomstrom in Bayern 2013: 42.941 Gigawattstunden). Wenn gemäß dem Atomausstiegsbeschluss alle bayerischen Atomkraftwerke bis 2022 vom Netz gehen werden, werden sie bis dahin kaum allein durch bayerisches Erneuerbare-Energien-Analgen kompensiert werden können. Dafür ist der Import erheblicher Mengen Ökostroms aus anderen Bundesländern notwendig.

Umstieg auf Erneuerbare vermindert versteckte Folgekosten

„Mit dem Wechsel von Atom- auf Ökostrom verabschiedet sich Deutschland von einem Energieträger mit sehr hohen Voll- und Folgekosten für Steuerzahler und Gesellschaft, wie nicht erst in der aktuellen Endlager-Debatte deutlich wird“, so Vohrer. Die konventionellen Energieträger Atomenergie, Steinkohle und Braunkohle profitieren seit Jahrzehnten in großem Umfang von staatlichen Förderungen in Form von Finanzhilfen, Steuervergünstigungen und der Wälzung von versteckten Folgekosten auf die Steuerzahler bzw. auf künftige Generationen.

Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) gibt an, dass die Gesellschaft im Jahr 2014 für eine Kilowattstunde Windstrom umgerechnet Kosten von 9,2 Cent trug, während sich die Gesamtkosten für Strom aus Atomkraft auf mindestens 14,3 Cent je Kilowattstunde beliefen.

Der volkswirtschaftliche Kostenvorteil der Erneuerbaren wird noch deutlicher, wenn man die Vollkosten neuer Anlagen miteinander vergleicht, die auch die Investitionskosten mit abbilden: Nach Berechnungen des FÖS kostet zum Beispiel eine Kilowattstunde Windstrom aus neuen Anlagen 5,1 bis 8,7 Cent pro Kilowattstunde. Bei der Atomenergie liegen die Vollkosten mit 18,5 bis 49,8 Cent pro Kilowattstunde um ein Vielfaches höher.

Quelle: 26. Juni 2015, www.unendlich-viel-energie.de


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