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Private Equity auf neuen Wegen - Nachhaltige Investments im Fokus - gut für Umwelt und interessant für Anleger

Ein Beitrag von Daniel Kellermann

Die Weltbevölkerung verlangt nach immer mehr Energie, nach sauberer Energie. Und nie war das Bewusstsein zum sparsamen Umgang mit fossilen Ressourcen wie Erdöl und Erdgas größer als jetzt. Zweifelsfrei hat der aufrüttelnde, durchweg empfehlenswerte Dokufilm "Eine unbequeme Wahrheit" des früheren amerikanischen Präsidentschaftskandidaten und Friedensnobelpreisträgers Al Gore dazu beigetragen. Und wer der Film noch nicht gesehen hat? Spätestens beim nächsten Tanken tritt Verärgerung über stetig steigende Energiepreise ein. Das Dilemma der Abhängigkeiten in dem wir uns befinden ist allgegenwärtig.

Doch der Teufelskreis, in dem wir uns als Verbraucher gefangen fühlen, lässt sich brechen. Informierte Kapitalanleger nutzen die Gunst der Stunde. Ob über Aktienengagements oder Unternehmensbeteiligungen, die Möglichkeiten von der weltweiten Energienachfrage und dem Trend hin zu mehr Umweltschutz zu profitieren sind vielfältig.

Deutschland nimmt im Ausbau der Erneuerbaren Energien eine globale Vorreiterrolle ein. Im Jahr 2007 wurden etwa 14 % des deutschen Stromverbrauchs aus umweltfreundlichen Quellen erzeugt. Allen voran die Windenergie (38,5 %), gefolgt von Biomasse (23,5 %) und der Wasserkraft (21,7 %). Sonnenenergie ist zwar gemäß einer repräsentativen Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach zur Energiezukunft Deutschlands mit 74 % die beliebteste Energieform der Bevölkerung, erkämpft sich jedoch nur langsam einen Anteil an der Stromproduktion.

Politisch gewollt ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien. Bis auf 20 % soll der Anteil an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2020 erhöht werden. Für Investitionssicherheit sorgt das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Es verpflichtet die lokalen Energieversorger (EVU) den Strom aus regenerativen Energiequellen vorrangig ins Stromnetz aufzunehmen und im Jahr der Inbetriebnahme und 20 vollen Betriebsjahren zum Festpreis zu vergüten. Der Einspeisesatz variiert je nach Energieform und bietet eine verlässliche Kalkulationsgrundlage zur Renditeprognose. Dutzende Energieprojekte wurden auch im letzten Jahr von Fondsinitiatoren durch geschlossene Fonds realisiert. Renditen zwischen 6 und über 10 % p.a. (IRR) weisen Fonds die Energieanlagen betreiben auf.

Doch in prosperierenden Wirtschaftszweigen, zu denen die Erneuerbaren Energien hierzulande mit 250.000 Beschäftigen unstrittig gehören, wird Kapital zum Wachstum gebraucht. Ob zum Aufbau von Produktionsstätten für Photovoltaikmodule, zur Entwicklung innovativer Technologien zur Stromerzeugung oder der Markteinführung energiesparenden Anwendungen, der Kapitalbedarf ist gewaltig. Aufgrund restriktiver Kreditvergaben der Banken nutzen Private Equity Gesellschaften ihre Chance zur Investition. Private Equity bezeichnet die Bereitstellung von Beteiligungskapital. Die Finanzierungsform ist in den USA seit den 50er Jahren fester Bestandteil des Wirtschaftslebens. Mit dem Beteiligungskapital kann dabei grundsätzlich jeder Unternehmenszweck finanziert werden.

Finanzinvestoren, zu den auch Private Equity Gesellschaften zählen, sind im Zusammenhang der Heuschrecken-Debatte per se in schlechtes Licht gerückt worden. Das Beispiel des PKW-Ersatzteil-Anbieters Auto-Teile-Unger (ATU) belegt das Gegenteil. Nach dem Engagement der Londoner Private Equity Gesellschaft Doughty Hanson & Co erhöhte sich die Filialanzahl von 390 auf 504, allein im Jahr 2006 wurden über 2.500 Mitarbeitet neu eingestellt.

Weltweit gibt es über 2.000 Beteiligungsgesellschaften. Sie verwalten ein Volumen von 1.200 Mrd. Dollar. Das Kapital zur Investition stammt aus unterschiedlichen Quellen. Ein Blick in die USA zeigt - hier haben 33 der 50 größten Private-Equity-Gesellschaften ihren Sitz - dass knapp die Hälfte des Kapitals aus Pensionsfonds kommt. 21 % stammt von Banken und Versicherungen, 12 % von Dachfonds, weitere 11 % von Stiftungen und immerhin 8 % von Familien und Privatpersonen. In der Regel sind viele Millionen erforderlich, um in einen gemanagten Private-Equity-Fonds investieren zu können. Investoren befinden sich zumeist in guter Gesellschaft namhafter Co-Investoren.

Auch für deutsche Fondsemittenten sind Private-Equity-Fonds eine gute Gelegenheit, ihren Investoren den Zugang zu diesem Investitionssegment zu ebnen. Dieser war bislang nur der Hochfinanz vorbehalten. Im letzten Jahr wurde gemäß der "Gesamtmarktstudie der Beteiligungsmodelle 2008" der Feri Rating & Research AG ein Eigenkapital von 2,1 Mrd. Euro über Publikumsfonds platziert. Das entspricht gut 16 % des gesamten Eigenkapitals geschlossener Fonds. Die Investition der eingeworbenen Anlegergelder kann dabei direkt in Unternehmen erfolgen. Alternativ ist die Investition in gemanagte Zielfonds möglich, die wiederum in die eigentlichen Zielunternehmen investieren.

Der wesentlichen Vorteile der Investition in einen Zielfonds liegen auf der Hand. Zum einen kümmern sich spezialisierte Manager um die Auswahl der Zielunternehmen, zum anderen wird eine Streuung auf verschiedene Unternehmen erreicht.

Zu unterscheiden sind Fonds auch dahingehend, welche Unternehmensphasen finanziert werden sollen. Besonders junge Unternehmen, Start-ups weisen ein hohes Risiko, demgegenüber auch hohe Chancen auf. Gesellschaften die in ihrer Expansionsphase finanziert werden, beispielsweise beim Aufbau neuer Produktionskapazitäten, weisen demgegenüber geringeres Risiko auf. Die Produkte- oder Dienstleistungen sind entwickelt oder bereits am Markt eingeführt. Start-up-Finanzierungen und Expansionsfinanzierungen werden aufgrund des höheren Risikos auch als Venture Capital, einem Teilsegment von Private Equity bezeichnet. Mit nochmals geringerem Risiko sind Buy-out-Finanzierungen versehen, beispielsweise Neustrukturierungen und Konzernabspaltungen.

Private Equity wird vielfach als Motor der Wirtschaft gesehen. Eine Studie der Deutsche Bank Research kommt zum Ergebnis, dass bei Steigerung der Investitionen in Venture Capital auf das europäische Niveau das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 0,25 % gesteigert werden könnte. Zum Vergleich: das Münchner IfO Institut prognostiziert für 2008 ein Wachstum von 1,8 %, Tendenz fallend.

Neue innovative Unternehmen und Technologien werden mit privatem Geld finanziert. Viel leichter lassen sich Ideen in jungen Unternehmen realisieren als mühsam aus bestehenden Konzernstrukturen heraus entwickeln. Das weltweite Interesse an "CleanTech" als Synonym für die nachhaltige Wirtschaftsentwicklungen der Bereiche Energie, Transport, Materialien und Wasser, lässt diese Industriezweige als besonders aussichtsreich erscheinen. Das bestätigt eine Umfrage von Fleischhauer, Hoyer & Partner, einer Münchner Beratungsgesellschaft für Private Equity Geschäfte. Demnach wollen 71 % der befragen Private-Equity-Unternehmen ihre Aktivitäten im Bereich Energie und Umwelt verstärken. Mit deutlichem Abstand folgen Unternehmen der Medizintechnik und aus dem Softwarebereich.

Nach Schätzung des Londoner Informationsdienstes New Energy Finance wurden im Jahr 2007 weltweit 21 Mrd. Dollar privates Beteiligungskapital in CleanTech investiert. Experten bescheinigen dass 100 Mio. Euro die in Deutschland investiert wurden.

Im weltweiten Trend der Investitionen in Clech Tech liegt die Chorus Gruppe aus Neubieberg bei München. Als einer der ersten Initiatoren setzt das 1998 gegründete Emissionshaus mit dem Chorus CleanTech auf Erneuerbare Energien und Umwelttechniken. Insgesamt sollen über den Fonds bis zu 20 Mio. Euro Kundengelder in vier Zielfonds investiert werden. Jeder Zielfonds investiert wiederum in 10 - 15 einzelne Unternehmen. Mit der Auswahl der Zielfonds wurden die Beratungsgesellschaft Fleischhauer, Hoyer und Partner beauftragt, auf deren Expertise unter anderem auch Banken und Sparkassen zurück greifen.

In zwei Zielfonds wurde bereits investiert. Mit dem Cleantech Europe LP ist wurde der Zweite von zouk, einer in London ansässigen Venture Capital Gesellschaft, aufgelegte Fonds ausgewählt. 150 Mio. Euro wurden durch Chorus und den Co-Investoren, vornehmlich englischen Pensionskassen und anderen institutionellen Investoren, darunter Merrill Lynch und Siemens aufgebracht. Nach und nach wird das Kapital in aussichtsreiche Unternehmen investiert.

Fünf Zielunternehmen stehen bereits fest. Beispielsweise die britische Solarcentury, ein bereits erfolgreicher Hersteller von Fassaden und Dachelementen mit integrierten Photovoltaik- bzw. Solarthermie-Modulen. Ein zweites Zielunternehmen ist SIC Processing. Das Unternehmen mit Sitz im oberpfälzischen Hirschau bereitet die Suspension auf, die als Flüssigkeit beim Sägen der Siliziumscheiben für Photovoltaikmodule für Kühlung sorgt. 50 % Kostenersparnis bringt das Aufbereitungsverfahren den Kunden, die bei steigendem Kostendruck lieber auf aufbereitete Kühlflüssigkeit als auf Neuware samt Entsorgungsproblematik setzen. Mit der Kapitalspritze sollen sechs Aufbereitungswerke weltweit erreichtet werden, um kurze Wege zu den Kunden zu haben.

Auch bei zweiten Zielfonds des Chorus CleanTech, dem Hudson Clean Energy, läuft der erste Schritt zur Kapitalplatzierung, dem sogenannten Fundsraising nach Plan. Ende März 2008 hat die Schweizer Bank Credit Suisse, als weiterer prominenter Investor ihr Engagement von 300 Mio. Dollar bekannt gegeben.

In den nächsten drei Jahren werden die Zielfonds ihr Kapital in die ausgewählten Zielunternehmen investieren. Danach haben die einzelnen Unternehmen Zeit zu wachsen, um in drei bis fünf Jahren gewinnbringend an einen strategischen Partner verkauft oder an die Börse geführt zu werden. Im Private Equity Markt sind dies die üblichen Szenarien der Beendigung, dem sogenannten Exit, des zeitlich befristeten Investitionszeitraums der Private Equity Gesellschaften.

"Die ersten Zielunternehmen des Chorus CleanTech könnten durchaus schon nach 12 - 24 Monaten gewinnbringend veräußert werden", so die Einschätzung von Peter Heidecker, Geschäftsführer von Chorus zur möglichen Haltedauer einzelner Investments ab dem Zeitpunkt der Investition. Nach Veräußerung bzw. Börsengang fließen den Investoren der Zielfonds, darunter auch die Chorus CleanTech KG als Beteiligungsgesellschaft, Erlöse zu. Sie werden an die Anleger ausgezahlt.

Der Hudson Clean Energy strebt eine Rendite von 30 % p.a. (IRR) an. Das Ziel ist ehrgeizig aber realistisch, zumindest dann wenn man zum besten Viertel, dem sogenannten Top Quartile der Private Equity Fonds gehören will. Diese haben in Europa im Zehnjahreszeitraum eine jährliche interne Verzinsung von bis zu 35 % erzielt. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass wie bei Dachfonds-Konzeption üblich, der Chorus-Beteiligungsfonds einerseits Sicherheit bringt, andererseits auch Kosten verursacht, was die erzielte Rendite des Zielfonds schmälert.

Informationen zu aktuellen Energie- und Umweltbeteiligungen finden interessierte Investoren auf der unabhängigen und neutralen Informationsplattform www.greenvalue.de.


Daniel Kellermann

Geschäftsführer der greenValue GmbH und Betreiber von greenvalue.de
Autor des Ratgeber Erneuerbare Energie Beteiligungen