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Fachverband Biogas e.V. (opm) - Weiterer Rückgang im Anlagenzubau

+++ Fachverband Biogas veröffentlicht aktuelle Branchenzahlen +++ Große Koalition diskutiert Energiepflanzen im EEG nicht mehr zu fördern +++ Erstmals mehr installierte als arbeitsrelevante Leistung +++

„Die Entwicklung der Biogasnutzung in Deutschland ist sehr ernüchternd.“ Mit diesen klaren Worten fasste der Präsident des Fachverband Biogas e.V., Horst Seide, die im Rahmen der Pressekonferenz auf der Agritechnica vorgestellten Branchenzahlen zusammen. Nachdem bereits das Jahr 2012 mit 340 Neuanlagen einen Einbruch um rund 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr brachte, ist der Neubau in diesem Jahr mit gerade mal 205 Anlagen erneut enttäuschend. Knapp die Hälfte der Neuanlagen sind Gülle-Kleinanlagen mit einer Leistung von maximal 75 Kilowatt. Inklusive Repoweringmaßnahmen und Leistungserweiterungen bestehender Biogasanlagen liegt die installierte elektrische Leistung Ende dieses Jahres bei circa 3.547 Megawatt (MW) und damit knapp 200 MW über dem Stand Ende 2012.

Doch damit nicht genug, am Wochenende diskutierte die bei den Koalitionsverhandlungen für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zuständige Arbeitsgruppe „Energie“ in Berlin und schlug vor, den Zubau an Biomasseanlagen nur noch bei Einsatz von Abfall- und Reststoffen zu fördern. Dieser Vorschlag trägt dem in einigen Regionen sehr deutlichen Wiederstand gegen den Maisanbau Rechnung. „Hier soll das Kind aber mit dem Bade ausgeschüttet werden“, befürchtete Seide. „Ohne den Anreiz im EEG, alternative Energiepflanzen zum Mais zu entwickeln, wird es keine ökologisch und ökonomisch sinnvollen Alternativpflanzen zum Mais geben.  Damit würden dann auch die Bestandsanlagen für die nächsten 20 Jahre keine der heute vielversprechenden Alternativen zum Mais in ihren Anlagen einsetzen“, erklärte der Verbandspräsident.

Dabei entwickelt sich die Branche in allen Bereichen weiter. Erstmalig ist auch feststellbar, dass Repowering- und Leistungserweiterungsmaßnahmen an bestehenden Biogasanlagen zu einer höheren installierten Leistung führen, als eigentlich an arbeitsrelevanter Leistung besteht.  Mit dieser zusätzlich vorgehaltenen Stromleistung reagieren die Biogasanlagen bereits auf die Anreize in Richtung flexibler Nachfrage und Direktvermarktung und tragen  damit zur Netzstabilität bei.

Der dennoch zu verzeichnende massive Einbruch im Anlagenneubau hat natürlich auch Auswirkungen auf die Arbeitsmarktsituation. Die Zahl der Beschäftigten hat sich im Vergleich zum Jahr 2011 annähernd halbiert. Für dieses Jahr geht der Fachverband Biogas von weniger als 40.000 Arbeitsplätzen im Bereich Biogas aus. Und auch das Umsatzvolumen ist in den letzten beiden Jahren trotz des steigenden Umsatzes aus dem Anlagenbetrieb kontinuierlich gesunken und liegt in diesem Jahr bei rund 6,6 Milliarden Euro.

„Dass überhaupt noch relativ hohe Umsätze erwirtschaftet werden liegt zur Zeit vor allem am Auslandsgeschäft“, weiß Seide. Der Export macht bei vielen Firmen mittlerweile fast die Hälfte ihres Auftragsvolumens aus. Dies allerdings, betonte der Präsident, kann keine Dauerlösung für die angeschlagene Branche sein. Die Welt schaut auf den Marktführer Deutschland – „und wenn die deutsche Biogasbranche einen Schnupfen hat, liegt die europäische mit Grippe im Bett.“

Daher fordert der Fachverband Biogas e.V., im Koalitionsvertrag ein klares Signal zu verankern, wie es für die Biogasbranche weitergehen soll. Die Branche steht bereit, den eingeschlagenen Weg der Flexibilisierung der Strombereitstellung bei Bestands- und Neuanlagen konsequent weiter zu beschreiten. „Wir können bei einem moderaten Ausbau von 300 MW pro Jahr bis 2030 rund 10 Gigawatt flexible elektrische Leistung zur Verfügung stellen“, erläuterte der Vizepräsident Hendrik Becker die Perspektiven. „Dazu müssen die Fallstricke im EEG und Genehmigungsrecht beseitigt werden und der Ausbaupfad klar definiert werden“, ergänzte Becker. So forderte der Fachverband Biogas auch keine Vergütungserhöhungen, um aus dem Nachfrageloch herauszukommen, sondern stellte klar, dass  die Klärung des Anlagenbegriffs im EEG, Erleichterungen für die Vergärung von Gülle und verbesserte Chancen zur Vermarktung von Systemdienstleistungen die Weiterentwicklung der Branche sicherstellen würde.

Weiter erklärte der Verband, dass der angestrebte Zubau an Biogaskapazität ohne eine Steigerung der Anbaufläche von Mais für Biogas erreicht werden kann. Künftige Biogasanlagen sollten überwiegend auf der Basis von Gülle, landwirtschaftlichen Nebenprodukten und alternativen Energiepflanzen errichtet werden. Darüber hinaus sollen auch organische industrielle Nebenprodukte z.B. aus der Lebensmittelverarbeitung und getrennt gesammelte Bioabfälle verstärkt den Weg in die Vergärungsanlagen finden. „Alles zusammen reicht aus, um den angestrebten Ausbaukorridor auch ohne zusätzlichen Maisanabau zu erreichen“, erklärte Claus Rückert, Sprecher des Firmenbeirates im Fachverband Biogas. „Durch die Nutzung der Abfälle schließen wir Energie- und Nährstoffkreisläufe und zeigen auch anderen Ländern den Weg auf, wie eine nachhaltige Energieversorgung mit Nebenprodukten und Abfällen aufgebaut werden kann“, erläuterte der Inhaber eines auch international tätigen Ingenieurbüros der Biogasbranche.

Über alternative Energiepflanzen kann die Biogasbranche auch einen zusätzlichen positiven ökologischen Mehrwert für die Fruchtfolgen der Landwirtschaft leisten. „Biogasanlagen haben den Vorteil, dass Sie anders als Tiere mit allem, was auf dem Feld wächst und nicht verholzt ist, gefüttert werden können“, erläuterte der Landwirt Horst Seide., „Wir stehen also bereit, andere Ackerfrüchte zu vergären, oder auch Wild- und Blühpflanzen, die weitere zusätzliche positive ökologische Effekte erzielen. “Allerdings darf der Rahmen im Ordnungsrecht und den Förderungen dann nicht, wie derzeit in Berlin diskutiert, komplett abgerissen werden, forderte  der Verbandspräsident weiter.

Quelle: 12. November 2013, www.biogas.org


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