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Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (opm) - Solarwirtschaft warnt vor Drosseln der Energiewende

Halbierung der neu installierten Solarstromleistung in den letzten Monaten / BSW-Solar fordert Korrektur des EEG-Umlagemechanismus und Steuer-Bremse / Ausbau der Photovoltaik hat kaum noch Einfluss auf den Verbraucherstrompreis

Der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) appelliert an die Bundesregierung, das Tempo der Energiewende nicht weiter zu drosseln. Infolge drastischer Einschnitte bei der Solarstromförderung im letzten Jahr habe sich die Photovoltaik-Inlandsnachfrage bereits nahezu halbiert. Die Bundesregierung müsse den Umbau der Energieversorgung hin zu Erneuerbaren Energien in der nächsten Legislaturperiode vielmehr kraftvoll vorantreiben. Andernfalls drohe Deutschland den in den letzten Jahren mühsam erarbeiteten Technologievorsprung zu verspielen. Bürgern und Unternehmern, die in die Energiewende investieren wollen, müsse geholfen und ihnen keine neuen Hindernisse in den Weg gelegt werden, so die Forderung des Branchenverbandes.

"Die im harten internationalen Wettbewerb stehende Branche der Erneuerbaren Energien braucht faire und verlässliche Rahmenbedingungen. Um den Solarstandort Deutschland zu sichern, ist neben wachsenden Exportchancen weiterhin auch ein attraktiver Binnenmarkt unverzichtbar", erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Die Solarwirtschaft befindet sich derzeit in einer harten Konsolidierungsphase, die vor allen Dingen auf weltweite Überkapazitäten und einen aktuellen Markteinbruch in Europa zurückzuführen ist. Die Photovoltaik-Wachstumsmärkte USA, Japan und China werden Deutschland bei der neu installierten Solarstromleistung in diesem Jahr übertreffen, so die Einschätzung des BSW-Solar.

Das Potenzial der Solarenergie sei jedoch auch in Deutschland bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Die Bundesrepublik könne den Anteil der Solarenergie am Strom-Mix von derzeit rund fünf Prozent bis zum Jahr 2020 mindestens verdoppeln und langfristig mit Hilfe von Speichertechnologien sogar auf rund 30 Prozent ausbauen. "Dieser Beitrag zum Klimaschutz und zu mehr Unabhängigkeit wird sich nicht nur für die Betreiber von Solaranlagen, sondern auch gesamtgesellschaftlich auszahlen", ist sich Körnig sicher. Energieexperten hatten in letzter Zeit wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass der weitere Ausbau der Solarenergie vor dem Hintergrund des starken Preisverfalls der letzten Jahre und ihrer Verbrauchsnähe keine nennenswerten Auswirkungen mehr auf den Strompreis haben wird.

"Wenn wir die Energiepreise stabilisieren wollen, brauchen wir mehr Erneuerbare Energien und nicht weniger. Gesetzliche Rahmenbedingungen müssen regelmäßig nachjustiert werden, überzogene Eingriffe oder gar Systembrüche sind jedoch unbedingt zu vermeiden. Sie sind Gift für jeden Investor", so Körnig. Ein Anstieg der Verbraucher-Strompreise könne im nächsten Jahr vermieden werden, wenn der durch Wind- und Solarstrom ausgelöste Preisverfall der Großhandelsstrompreise endlich an die Verbraucher weitergegeben werde. Dafür müsse ein Konstruktions-fehler bei der Umlage der EEG-Kosten beseitigt werden. Gleichzeitig profitiere der Staat jährlich in Milliardenhöhe über die Umsatz- und Stromsteuer am Ausbau Erneuerbarer Energien. "Statt solare Eigenstromerzeugung zu deckeln oder mit neuen Abgaben zu behindern, ist eine Steuer-Bremse überfällig", so Carsten Körnig.

Hintergrund:
Im letzten Jahr hat die Bundesregierung die Solarstrom-Förderung beispielweise für mittelgroße Anlagen um durchschnittlich 45 Prozent gesenkt. Gleichzeitig sind die Systempreise schlüsselfertiger Solarstromanlagen um durchschnittlich 22,5 Prozent gefallen. In der Folge dieses Missverhältnisses sank die Photovoltaik-Nachfrage in Deutschland in den letzten neun Monaten um mehr als 46 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum (vgl. aktuelle Pressegrafiken). Vor allem die Nachfrage nach größeren Solarstromanlagen ist in letzter Zeit eingebrochen. Marktsegmente, die durch höhere Eigenverbrauchsquoten den stark abgesenkten Einspeisetarif zum Teil ausgleichen können, sind von dem Marktrückgang weniger stark betroffen. So investieren monatlich weiterhin rund 10.000 neue Eigenheimbesitzer in Solarstromanlagen.

Die Kosten des weiteren Photovoltaik-Ausbaus fallen kaum noch ins Gewicht. So haben Analysen von Prognos ergeben, dass jedes weitere neu installierte Gigawatt Photovoltaik den Verbraucher-Strompreis über die EE-Umlage in diesem Jahr nur noch um rund 0,02 Cent je Kilowattstunde belastet. Der gleichzeitig notwendige Ausbau der Verteilnetze wird den Strompreis bis 2020 für private Stromkunden um lediglich 11 Cent im Monat steigen lassen. Auch bei einem weiteren kraftvollen Ausbau der Photovoltaik bleiben die Energiepreise damit in den nächsten Jahren weitgehend stabil.

Der Ausbau Erneuerbarer Energien führt allein 2013 zu staatlichen Mehreinnahmen bei der Umsatzsteuer in Höhe von 1,5 Mrd. Euro. Diese könnte den Verbrauchern durch eine geringfügige Senkung der Stromsteuer erlassen werden. Würde gleichzeitig die durch die Erneuerbare Energien verursachte erhebliche Absenkung der Großhandels-Strompreise durch eine EEG-Reform auch an private Verbraucher weitergeleitet (2013 mind. 1 Mrd. Euro), so ließe sich der erwartete Anstieg der EEG-Umlage 2014 vermeiden und die Strompreise stabilisieren.

Die Photovoltaik ist eine tragende Säule der Energiewende. Jede zweite neue Kilowattstunde Ökostrom seit 2010 stammt aus Solaranlagen. Treiber dieser dezentralen Energiewende sind die Bürger und der Mittelstand. Mehr als 1,3 Millionen Menschen und Unternehmen produzieren heute bereits Solarstrom und decken bereits fünf Prozent des Stromverbrauchs der Deutschen (aktuelle installierte Solarstrom-Leistung rund 34 Gigawatt). Diese Erfolgsgeschichte will die Solarbranche fortschreiben und mit der Photovoltaik bis 2020 bereits mind. zehn Prozent des deutschen Strombedarfs decken (70 GWp). Durch Einsatz von Speichertechnologien soll der Solarstromanteil bis 2030 weiter auf mind. 20 Prozent (120 GWp) und anschließend auch darüber hinaus ausgebaut werden.

Quelle: 8. Juli 2013, www.solarwirtschaft.de


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